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Ulrich Ebner-Priemer, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim
Abstract:
Ätiologische Modelle der klinischen Psychologie integrieren häufig subjektive (emotional/kognitiv) und physiologische Parameter. Zumeist erbringt die empirische Überprüfung eine Bestätigung der subjektiven Komponenten, jedoch der Nachweis der physiologischen Parameter bzw. der psychophysiologischen Zusammenhänge misslingt. Dies soll exemplarisch an der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) aufgezeigt werden. Bei dieser werden neben subjektiven Zusammenhängen, ein generell erhöhtes physiologisches arousal (Linehan, 1993), sowie psychophysiologische (Bohus, 2000; Stiglmayr, 2001, 2003) und psychobehaviorale Zusammenhänge (Albrecht & Porzig, 2003) postuliert. Deren empirische Überprüfung steht weitgehend noch aus.
In Studie 1 wurden subjektive (u.a. aversive Anspannung), kardiovaskuläre (EKG) und behaviorale (Lage und Bewegung) Parameter bei 50 Patientinnen mit BPS und 50 gesunden Kontrollen über 24h mittels des Freiburger Monitorings Systems erhoben. Bei den subjektiven Variablen zeigten sich die hypothetisierten Zusammenhänge. Ebenfalls zeigte sich ein generell erhöhtes physiologisches arousal (additive heart rate) der Patientinnengruppe. Die psychophysiologischen (additive heart rate; Spannung) bzw. psychobehavioralen (Bewegungsaktivität, Spannung) Zusammenhänge waren jedoch minimal bzw. nicht nachweisbar. In Studie 2 wurden bei 23 Patientinnen mit BPS und 24 gesunden Kontrollen subjektive und physiologische (Speichelcortisol) Parameter über 48h erhoben. Wie in Studie 1 konnten Hypothesen bzgl. subjektiver Parameter und ein generell erhöhtes physiologisches arousal (Cortisol) bestätigt werden. Der Nachweis psychophysiologischer Zusammenhänge misslang.
Der Nachweis mangelhafter psychophysiologischer Konkordanz ist wenig innovativ und hält Kliniker nicht davon ab fortwährend neue Modelle psychophysiologischer Zusammenhänge zu entwickeln. Die Registrierung und Analyse physiologischer Parameter ist aufwändig und teuer, wohingehend subjektive Parametern über meist zu findende signifikante Zusammenhänge einfach und erfolgreich publizierbar sind. Psychophysiologisches ambulantes Monitoring ist für Fragestellungen zu empfehlen, bei denen ein klarer Mehrwert (inkrementelle Validität) zu erwarten /nachweisbar ist.
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